Der Ber­lin Fla­neur: Ein Idyll mit­ten in Wil­mers­dorf — Der Rüdes­hei­mer Platz — Audio

Sieg­fried­brun­nen auf dem Rüdes­hei­mer Platz

Der Ber­lin Fla­neur” im Radio.

Fol­ge: Ein Idyll mit­ten in Wil­mers­dorf — Der Rüdes­hei­mer Platz

Erst­sen­dung: 14. Sep­tem­ber 2018 — Ohr­funk

Ver­lin­kung mit ohrfunk.de Kom­pakt

Der Ber­lin Fla­neur: Ein Idyll mit­ten in Wil­mers­dorf — Der Rüdes­hei­mer Platz

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Rüdes­hei­mer Platz, Blick auf den Sieg­fried­brun­nen

An den Ort, zu dem ich Sie heu­te ent­füh­ren möch­te, gibt es nichts Spek­ta­ku­lä­res zu ent­de­cken. Aber er hat es bis in die „New York Times“ geschafft. Denn er gehört, laut die­ser Zei­tung, zu den 12 schöns­ten Orten in Euro­pa.
Die­se Behaup­tung mach­te mich neu­gie­rig.
An einem schö­nen Som­mer­tag fuhr ich hin – zum „Rüdes­hei­mer Platz“ nach Wil­mers­dorf.
Alten „West­ber­li­nern“ ist die­ser Platz nicht unbe­kannt. Seit 1967 gibt es hier, auf einer Ter­ras­se am west­li­chen Ein­gang des Plat­zes, der eigent­lich auch als klei­ner Park durch­ge­hen könn­te, den „Rhein­gau­er Wein­brun­nen“. Direkt hin­ter dem „Sieg­fried­brun­nen“. Die­se Loka­li­tät, die nur in den Som­mer­mo­na­ten geöff­net hat, sieht aus wie ein Bier­gar­ten. Doch hier wird kein Bier aus­ge­schenkt, son­dern unter­schied­lichs­te Wei­ne aus den hes­si­schen „Rhein­gau“.
Kein Wun­der gehört doch der „Rüdes­hei­mer Platz“ zum soge­nann­ten „Rhein­gau­vier­tel“ in Char­lot­ten­burg Wil­mers­dorf und hat mit dem hes­si­schen Land­kreis eine Part­ner­schaft.
Der Platz ist ein Idyll. Es geht dort gemüt­lich zu. Im Zen­trum des Plat­zes lie­gen gro­ße bun­te lie­be­voll gepfleg­te Blu­men­bee­te. Umge­ben ist der gesam­te Platz von hohen alten Bäu­men, durch deren Blät­ter­werk die gelb­lich-beig­chen Fas­sa­den der wun­der­schön sanier­ten Häu­ser blit­zen.
Wenn man sich auf dem Rüdes­hei­mer Platz hin­setzt und so in die Run­de blickt, dann hat man das Gefühl, das man in „alten“ West­ber­lin ist. Alles wirkt gut bür­ger­lich. Die Damen mit ihren Hünd­chen sind topp fri­siert und chic ange­zo­gen. In der gesam­ten Umge­bung des Plat­zes gibt es kei­ne der übli­chen Läden von gro­ßen Laden­ket­ten, son­dern haupt­säch­lich pri­vat geführ­te klei­ne Geschäf­te, wo man noch beim Ein­tre­ten freund­lich begrüßt wird.
Ich kann mir auch vor­stel­len, war­um die „New York Times“ 2015 den Platz in ihre Hit­lis­te auf­nahm. Denn wenn sie hier um den Platz lau­fen, der 1905 ange­legt wur­de, und sich die Häu­ser anschau­en, die ab 1910 errich­tet wur­den und dem eng­li­schen Land­haus­stil nach emp­fun­den sind, dann kommt das auf, was die Amis „Ger­man Gemüt­lich­keit“ nen­nen. Alles ist sau­ber, sehr gepflegt, ruhig und auch etwas spie­ßig. Rich­tig hei­me­lig und man stellt sich vor wie es sich hier am Platz wohl leben lässt.
Der Blick­fang des Plat­zes ist der „Sie­gried­brun­nen“. Er wur­de 1911 erbaut. Mit­tel­punkt ist „Sieg­fried“ als Ross­len­ker, ein aus dem Stein gemei­ßel­ter Ado­nis. Flan­kiert wird er auf bei­den Sei­ten von zwei ihm anbli­cken­den Figu­ren. Zur lin­ken von einem Her­ren mit Wein­kranz auf dem Kopf und Voll­bart. Das ist der Vater Rhein. Und zur Rech­ten von einer jun­gen unbe­klei­de­ten Dame, mit einer Scha­le in der Hand. Das soll eine Wein­kö­ni­gin sein, die auch „Mut­ter Mosel“ genannt wird.
Das Wein­mo­tiv setzt sich auch an den Häu­sern fort, die rund um den Platz lie­gen. An vie­len sind Schmuck­frie­se ange­bracht, die Wein­re­ben und Wein­blät­ter zei­gen. Die fin­det man auch im U‑Bahnhof Rüdes­hei­mer Platz. Dass ein­zig was nicht in die­sem sehr hüb­schen Bahn­hof passt, in die Graf­fi­ti­kunst, an den Flä­chen wo sonst Wer­be­pla­ka­te hän­gen.
Wenn sie rund um den Rüdes­hei­mer Platz und durch die angren­zen­den Sei­ten­stra­ßen fla­nie­ren, dann kön­nen Sie mit ihren Spa­zier­gang nichts falsch machen.
Mein Tipp: Am bes­ten machen sie die­sen Spa­zier­gang am Nach­mit­tag. Denn vie­le Restau­rants oder auch der Wein­gar­ten machen erst ab 15 Uhr auf.
Na und wenn Sie wie ich dann, geschützt unter dem Blät­ter­werk der hohen alten Bäu­me im „Rhein­gau­er Wein­gar­ten“ ihren Schop­pen trin­ken, dann ver­ges­sen Sie die Zeit. Und das schlim­me dabei ist, es bleibt nicht nur bei einem Schop­pen. Bei mir waren es am Ende vier Gläs­chen und ich ging mit einer leicht wein­se­li­gen fro­hen Stim­mung nach Hau­se.

Info­kas­ten:

Rüdes­hei­mer Platz

Rüdes­hei­mer Platz, 14197 Ber­lin
Anfahrt:

U‑Bahn U3

Hal­te­stel­le: U‑Bahnhof Rüdes­hei­mer Platz
Bus Linie 186

Hal­te­stel­le U‑Bahnhof Rüdes­hei­mer Platz
Rhein­gau­er Wein­brun­nen

Rüdes­hei­mer Platz 1

14197 Ber­lin
Öff­nungs­zei­ten:

Mai-Sep­tem­ber, täg­lich 15:00–21:30 Uhr

Der Ber­lin Fla­neur: Von nack­ten Skulp­tu­ren und Stra­ßen­bah­nen — Der Wohn­kom­plex mit dem ehe­ma­li­gen BVG — Stra­ßen­bahn­de­pot Char­lot­ten­burg

Char­lot­ten­burg, Kno­bels­dorf­fer­stra­ße, Ecke Köni­gin — Eli­sa­beth Stra­ße um 1930
Post­kar­te

Eigent­lich woll­te ich Sie in die­ser Fol­ge auf eine Cur­ry­wurst ein­la­den.
Doch lei­der geht das nicht, denn dass „Cur­ry­wurst-Muse­um“ in der Nähe des „Check­point Char­ly“ hat für immer zuge­macht.
Wie sagt man da so schön. Ein Satz mit X, dass war wohl nix.
Also lan­de­te der fer­ti­ge Arti­kel im Papier­korb und ich muß­te kurz­fris­tig etwas Neu­es fin­den.
Ich über­leg­te und als ich den Arti­kel zum 90. Geburts­tag der BVG am 1. Janu­ar las, hat­te ich den Ersatz gefun­den.
Ich möch­te Sie heu­te zu einem Gebäu­de ent­füh­ren, dass man nun nicht als Sehens­wür­dig­keit ein­stu­fen wür­de, aber es steht in der Ber­li­ner Lan­des­denk­mal­da­ten­bank. Die­ser rie­si­ge Häu­ser­kom­plex steht für einen Teil der Ber­li­ner Ver­kehrs­ge­schich­te. Er befin­det sich im Char­lot­ten­bur­ger Orts­teil Westend in der Köni­gin-Eli­sa­beth-Stra­ße. 
Ich hat­te dort ein Ter­min und woll­te danach mit der U‑Bahn vom Kai­ser­damm zum Breit­scheid­platz fah­ren. So lief ich die Stra­ße in Rich­tung Mes­se­ge­län­de hin­un­ter. An der Kreu­zung Köni­gin-Eli­sa­beth-Stra­ße und Kno­bels­dorff­stra­ße muß­te ich an der Ampel war­ten. Und da stan­den sie. Zwei über­le­bens­gro­ße Skulp­tu­ren, nackt und sehr monu­men­tal. 
Ich blick­te die Kno­bels­dorff­stra­ße hin­un­ter, die zum Olym­pia­sta­di­on führt.  Rechts und links sah ich zwei acht­stö­cki­ge Tor­bau­ten.  An sie schlo­ßen sich zu bei­den Sei­ten der Stra­ße je ein fünf­stö­cki­ger lang­ge­zo­ge­ner Wohn­block an. Ein glat­te Front, nur von vor­ste­hen­den Bal­kons unter­bro­chen, ohne irgend­wel­che archi­tek­to­ni­schen Ver­zie­run­gen. 
Als ich wei­ter zum U‑Bahnhof lief, frag­te ich mich was das für ein Bau war.  Ein Stück wei­ter stand ich vor einer gro­ßen Ein­fahrt über der zwei Wer­be­ta­feln hin­gen, die auf einen Fahr­rad­la­den und einen Super­markt hin­wei­sen. Als ich durch­ging, blick­te ich auf einem rie­si­gen Innen­raum, der teil­wei­se als Park­platz genutzt wur­de und in dem eine gro­ße Hal­le stand. Das beson­de­re an die­sem Innen­hof war, das er von allen vier Sei­ten kom­plett von Wohn­häu­sern umbaut war.
Ich war neu­gie­rig.
Bei einer Tas­se Kaf­fee im Super­markt, goo­gel­te ich und sam­mel­te Infor­ma­tio­nen.
Ich befand mich auf dem ehe­ma­li­gen Stra­ßen­bahn-Betriebs­hof Char­lot­ten­burg, der 1930 eröff­ne­te wur­de. Die umge­bau­te Hal­le mit Super­markt und Fahr­rad­la­den, war einst eine drei­schif­fi­ge Wagen­hal­le, in der auf 29 Glei­sen über 320 Stra­ßen­bahn­wa­gen abge­stellt wer­den konn­ten. 
Die gesam­te Anla­ge hat­te eine Grö­ße von gut 27500 qm, allein das Stra­ßen­bahn­de­pot ist rund 12000 qm groß. Und in den Häu­sern drum­her­um gab es damals Woh­nun­gen für 400 Fami­li­en von Ange­stell­ten der BVG, die 1929 gegrün­de­ten wor­den war.
Wenn Sie sich alte Fotos anschau­en, stel­len Sie fest, hier muß Tag und Nacht jede Men­ge Betrieb gewe­sen sein. Ich frag­te mich wie laut es damals gewe­sen sein mag, wenn zu jeder Tages­zeit Stra­ßen­bah­nen quiet­schend ein- und aus­fuh­ren.
Für uns ist es heu­te schwer vor­stell­bar, dass einst durch ganz Ber­lin Stra­ßen­bah­nen fuh­ren. Die­se wur­den lei­der in den sech­zi­ger Jah­ren zu Guns­ten der Bus­se in West­ber­lin abge­schafft. 
Aber Iro­nie der Geschich­te, die Stra­ßen­bahn soll bald wie­der im West­teil von Ber­lin fah­ren. 
Die Grö­ße die­se Wohn­an­la­ge mit dem ehe­ma­li­gen Stra­ßen­bahn-Betriebs­hof beein­druckt. Die­ser Bau beweist mal wie­der, wenn man in Ber­lin „hin­ter die Kulis­sen“ schaut, gibt es viel Inter­es­san­tes zu ent­de­cken. 
Noch ein­mal zu den bei­den Skulp­tu­ren an der Kreu­zung Köni­gin-Eli­sa­beth-Stra­ße und Kno­bels­dorff­stra­ße. Die­se wur­den 1928 von dem öster­rei­chi­schen Künst­ler Josef Tho­rax geschaf­fen. Sie tra­gen den Titel „Arbeit und Heim“. Der Mann ist die Arbeit und die Frau mit dem Kind steht für das Heim. Dass ein­zi­ge was sich mir bei ihren Anblick nicht erschließt ist, war­um alle drei Figu­ren nackt sind.  Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Aber man wird doch wohl noch mal fra­gen dür­fen. Oder ?

 

Info­kas­ten:
Ehe­ma­li­ger Betriebs­hof Char­lot­ten­burg
Köni­gin-Eli­sa­beth-Stra­ße  9 — 31
14059 Ber­lin

Anfahrt:
U- Bahn U2 
Sta­ti­on : Kai­ser­damm (noch nicht bar­rie­re­frei)

Bus Linie 139 
Sta­ti­on  U- Bahn­hof Kai­ser­damm

Fuß­weg ca. 150 Meter die Köni­gin — Eli­sa­beth — Stra­ße hin­ein.

Gut beroll­bar

erschie­nen in der BBZ — Der Ber­li­ner Behin­der­ten­zei­tung 02/2019

So schön ist Ber­lin

auf­ge­nom­men 2016 — 2018

Der Ber­lin Fla­neur: Eine klei­ne „Bau­haus — Tour“ durch Ber­lin

Mies van der Rohe Haus in Hohen­schön­hau­sen

Die­ses Jahr ist reich an Jubi­lä­en und Gedenk­ta­gen.
So wird zum Bei­spiel in die­sem Jahr der 100. Jah­res­tag der Grün­dung des „Bau­hau­ses“ began­gen.
Nein, ich mei­ne nicht die Heim­wer­ker­ket­te, son­dern das „Staat­li­che Bau­haus“, eine Schu­le für Kunst und Archi­tek­tur, die 1919 von Wal­ter Gro­pi­us in Wei­mar gegrün­det wur­de. Obwohl sie nur 14 Jah­re exis­tier­te, sind ihre Ein­flüs­se bis in unse­re heu­ti­ge Zeit erkenn­bar.
Die­se Schu­le brach­te Kunst, Design, Archi­tek­tur und Hand­werk zusam­men.
Schlicht­heit und durch­dach­te Funk­ti­on stan­den beim „Bau­haus“ immer im Mit­tel­punkt.
Wenn Sie durch Ber­lin fla­nie­ren, dann fin­den Sie an vie­len Orten „Bau­haus — Archi­tek­tur“.
Ich begin­ne zwei Stra­ßen­bahn­sta­tio­nen von mei­ner Woh­nung ent­fernt. In der Ober­see­stra­ße 60 am Ober­see in Hohen­schön­hau­sen steht das „Haus Lem­ke“. Ent­wor­fen hat es einer der bekann­tes­ten Archi­tek­ten des 20. Jahr­hun­derts — Lud­wig Mies van der Rohe.
Das „Haus Lem­ke“, benannt nach dem Bau­her­ren, dem Ber­li­ner Dru­cke­rei­be­sit­zer Karl Lem­ke, der hier bis 1945 wohn­te, wird auch das „Mies van der Rohe Haus“ genannt. Es ist ganz schlicht. Flach wie ein Bun­ga­low, ohne Ver­zie­run­gen, ganz funk­tio­nell.
Gele­gen in einem gro­ßen Gar­ten mit Blick auf den „Ober­see“.
Im Haus befin­det sich lei­der kei­ne ori­gi­na­le Innen­aus­stat­tung mehr. Doch es gibt Fotos aus der Zeit als es bewohnt war und man wür­de heu­te die­se Ein­rich­tung immer noch als „modern“ bezeich­nen.
Das Haus beher­bergt heu­te eine Gale­rie für Moder­ne Kunst. Die ist Geschmack­sa­che, aber ein kur­zer Besuch lohnt sich schon wegen dem schö­nen Blick auf dem See.
Wei­ter geht es zu einem Welt­kul­tur­er­be, dass ich ihnen schon ein­mal ein­ge­hen­der vor­ge­stellt habe. Die „Huf­ei­sen­sied­lung“ in Britz. Auch die­se Sied­lung wird mit dem Bau­haus in Ver­bin­dung gebracht. Der Archi­tekt der Huf­ei­sen­sied­lung, Bru­no Taut, gehör­te, wie­der der Ber­li­ner so schön sagt, „zum Dunst­kreis“ von Wal­ter Gro­pi­us. Ihr Bau­stil nennt sich „Neue Sach­lich­keit“.
In unmit­tel­ba­rer Nacht­bar­schaft zur Sied­lung, genau­er gesagt in der Par­chi­mer Allee 80, befin­det sich ein bewohn­ba­res Muse­um — „Tau­tes Heim“.
Sie kön­nen sich hier als Feri­en­gast ein­mie­ten und woh­nen wie in den 1920 Jah­ren. Vie­le der Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de im Feri­en­haus sind Bau­haus Gegen­stän­de.
Wie die „Huf­ei­sen­sied­lung“ gehört auch unse­rer nächs­tes Ziel zum UNESCO Welt­kul­tur Erbe „Sied­lun­gen der Ber­li­ner Moder­ne“.
Es ist die „Groß­sied­lung Sie­mens­stadt“ in Char­lot­ten­burg und Span­dau. Errich­tet 1929 — 1931 für die Arbei­ter des benach­bar­ten „Sie­mens-Wer­kes“ und in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zum „Volks­park Jung­fern­hei­de“.
Das städ­te­bau­li­che Kon­zept wur­de von Hans Scharoun ent­wi­ckelt, von dem auch der Ent­wurf der „Ber­li­ner Phil­har­mo­nie“ stamm­te.
Neben Woh­nungs­bau­ten gibt es in unse­rer Stadt auch Indus­trie­bau­ten im „Bau­haus­stil“. Wie die „AEG Tur­bi­nen­hal­le“ in der Moa­bi­ter „Hut­ten­stra­ße“. Auch hier bil­den Sach­lich­keit, Funk­ti­on und Stil eine Ein­heit.
Und wenn mal wie­der Sie in der „Wil­mers­dor­fer“ sind, dann lau­fen sie doch ein­fach die „Kant­stra­ße“ Rich­tung Zoo ent­lang. Auf der rech­ten Sei­te wer­den Sie die „Kant-Gara­gen“ sehen. Die­ser unschein­ba­re, unspek­ta­ku­lä­re Bau ist auch ein „Bau­haus Denk­mal“.
Vie­le Infor­ma­tio­nen zum „Bau­haus“ hät­ten sie im Muse­um „Bau­haus-Archiv“ fin­den kön­nen, aber das wird zur Zeit umge­baut und ist zu. Laut Home­page wegen des Jubi­lä­ums. Da fragt man sich doch war­um dass gera­de jetzt gemacht wird?
Hät­te man damit nicht bis nach dem Jubi­lä­um war­ten kön­nen?
Dafür gibt es „als Ersatz“, in der „Kne­se­beck­stra­ße 1–2“ im „Haus Har­den­berg“ ein „Tem­po­rä­res Bau­haus-Archiv“.
Wenn sie mehr Lust auf „Bau­haus­ar­chi­tek­tur“ haben, dann fah­ren sie ein­fach nach Des­sau. Das ist nicht weit weg von Ber­lin. Denn Des­sau war ab 1925 das Zen­trum des „Bau­hau­ses“.
Ein­fach in den Regio­nal-Express nach Des­sau stei­gen, hin­fah­ren und durch die Stadt fla­nie­ren.

Info­kas­ten:

Haus Lem­ke — Mies van der Rohe Haus

Ober­see­str. 60

13053 Ber­lin

Tele­fon 

030 97 00 06 18

Inter­net­adres­se 

www.miesvanderrohehaus.de

Öff­nungs­zei­ten 

Diens­tag bis Sonn­tag 11 bis 17 Uhr

Ein­tritt frei

Füh­run­gen 

nach Ver­ein­ba­rung

E‑Mail

info@miesvanderrohehaus.de

Nah­ver­kehr

Tram 27 

Sta­ti­on:  Am Fau­len See  — Fuß­weg ca. 300 Meter

Tau­tes Heim”

Gie­lo­wer Stra­ße, Huf­ei­sen­sied­lung

12359 Ber­lin

Inter­net­adres­se

www.tautes-heim.de

U- Bahn: U7 

Sta­ti­on:

Par­chi­mer Allee — Fuß­weg ca. 300 Meter

Tem­po­rä­re Bau­haus-Archiv / Muse­um für Gestal­tung 

Kne­se­beck­str. 1–2, 

10623 Ber­lin 

Öff­nungs­zei­ten:

Mon­tag — Sams­tag, 10–18 Uhr, 

Ein­tritt frei

U- Bahn U2

Sta­ti­on:

Ernst-Reu­ter-Platz — Fuß­weg ca. 200 Meter

Inter­net­adres­se:

www.bauhaus.de

Erschie­nen in der BBZ — Der Ber­li­ner Behin­der­ten Zei­tung 03/2019

Der Ber­lin Fla­neur: Es begann mit dem „Knall­funk“ — Auf den Spu­ren von „Tele­fun­ken“ in Ber­lin

Tele­fun­ken Pro­duk­ti­ons­stät­te am U- Bahn­hof Oslo­er Stra­ße heu­te von der GSD genutzt
auf­ge­nom­men 14. April 2019

Als ich für die Fol­gen zu den Ber­li­ner Erfin­dun­gen recher­chier­te, stieß ich auf unser heu­ti­ges The­ma. 

Ohne die Ber­li­ner Fir­ma, um die es heu­te geht, wür­den sie mich jetzt nicht hören und wir wür­den auch kei­ne Flim­mer­kis­te im unse­rem Wohn­zim­mer haben. Die Fir­ma stand einst für gute Pro­duk­te in der Unter­hal­tungs­elek­tro­nik und war vie­le Jahr­zehn­te lang das Unter­neh­men für Sen­de­an­la­ge von Radio- und Fern­seh­sen­dern. 

Außer­dem war ihr eins­ti­ge Fir­men­sitz am Ernst Reu­ter Platz eines der bekann­tes­ten Moti­ve auf Ansichts­kar­ten aus West­ber­lin. 
Gegrün­det wur­de „Tele­fun­ken“ 1903 auf Anwei­sung des Deut­schen Kai­sers Wil­helm II.
Bis 1996 exis­tier­te die Urfir­ma, die nach dem 2. Welt­krieg zum AEG Kon­zern gehör­te und vor dem 2. Welt­krieg war auch Sie­mens an ihr betei­ligt.
Heu­te gibt es wie­der eine Fir­ma mit namens „Tele­fun­ken“, die den Mythos, der alten fort­set­zen will und hoch­wer­ti­ge Unter­hal­tungs­elek­tro­nik aus Deutsch­land in Asi­en und in der Tür­kei pro­du­zie­ren lässt.
Die Geschich­te die­ser Fir­ma ist sehr kom­pli­ziert und kom­plex, des­halb las­se ich sie mal außen vor, da die Zeit nicht reicht. 
Noch ein­mal kurz in das Jahr 1903 zurück. Damals gab es schon die ers­te draht­lo­sen Über­tra­gun­gen von Nach­rich­ten. Den „Knall­funk“. 
Die­se tech­ni­sche Neue­rung fas­zi­nier­te den Kai­ser und er woll­te sie für sein Mili­tär nut­zen. Doch die bei­den Ent­wick­ler die­ses „Knall­funks“, die Fir­men der Her­ren Sie­mens und Rathe­now, AEG, waren sich nicht grün und sie strit­ten sich wie die Kes­sel­fli­cker, als es zu einer Fir­men­grün­dung kom­men soll­te. Das miss­fiel dem Pickel­hau­ben­kai­ser und er zwang die bei­den Unter­neh­men sich zu eini­gen. So ent­stand „Tele­fun­ken“. 
Im Lau­fe der nächs­ten Jahr­zehn­te mau­ser­te sich „Tele­fun­ken“ zu einer Welt­fir­ma. Und ihr Haupt­sitz war immer Ber­lin. Selbst nach dem Mau­er­bau. Auch die wich­tigs­ten Pro­duk­te der Fir­ma wur­den hier in der Stadt gebaut, die welt­be­rühm­ten Sen­de­an­la­gen und Sen­der für den Rund­funk, das Fern­se­hen und der Nach­rich­ten­kom­mu­ni­ka­ti­on.
Die­se Pro­duk­ti­ons­stät­ten kann man heu­te noch in Ber­lin fin­den. Das bekann­tes­te „Tele­fun­ken“- Gebäu­de Ber­lins steht wie gesagt am Ernst Reu­ter Platz. Es ist das Tele­fun­ken-Hoch­haus. Hier war von 1960 bis 1967 der Haupt­fir­men­sitz.
Heu­te gehört das Haus zur TU Ber­lin.
Und da habe ich gleich mal einen Tipp für sie. Wenn sie Hun­ger haben und dazu noch einen tol­len Blick über Ber­lin haben wol­len, dann fah­ren sie ganz nach Oben in die 21. Eta­ge. Dort befin­det sich die Men­sa der TU, die Cafe­te­ria „Sky“. Die ist für alle offen und man kann hier lecker Mit­tag­essen oder Früh­stü­cken und das zu klei­nen Prei­sen.
In Ame­ri­ka ist ein ganz ande­res Tele­fun­ken-Gebäu­de bekannt oder bes­ser gesagt Gebäu­de-Kom­plex. Ob die Amis aber wis­sen, dass dies einst der Fir­ma Tele­fun­ken gehör­te, dürf­te bezwei­felt wer­den. 
In Ame­ri­ka sind die ehe­ma­li­gen Tele­fun­ken Wer­ke, in Lich­ter­fel­de in der Goerz­al­lee als Haupt­quar­tier und Kaser­ne der US-Army bekannt. Unter dem Namen „McN­air Baracks“. Von 1938 bis 1945 befand sich hier der Fir­men­sitz und das Stamm­werk der Tele­fun­ken AG. Heu­te gibt es hier jede Men­ge Eigen­tums­woh­nun­gen. 
Davor befand sich der Fir­men­sitz am Hal­le­schen Ufer. Unge­fähr dort wo heu­te das HAU steht, das Heb­bel am Ufer. In ihm war auch die größ­te Schall­plat­ten­fir­ma des 3. Rei­ches unter­ge­bracht, die TELDEC, die zu Tele­fun­ken gehör­te. Die­sen Bau gibt es nicht mehr, denn im April 1945 brann­te das „Tele­fun­ken-Haus“ nach einem Bom­ben­an­griff aus und wur­de nicht mehr auf­ge­baut.
Dafür kön­nen sie ande­re Gebäu­de in Ber­lin fin­den die einst „Tele­fun­ken“ gehör­ten. Zum Bei­spiel am direkt am U‑Bahnhof Mehring­damm. Hier im Haus Num­mer 32–34 saß die Fir­men­lei­tung von 1948 bis 1952. Danach zog sie in die Sickin­gen­stra­ße nach Moa­bit, in das ehe­ma­li­ge Glüh­lam­pen­werk der OSRAM AG, die wie Tele­fun­ken eben­falls zur AEG gehör­ten. In die­sem denk­mal­ge­schütz­ten Haus befin­det sich heu­te der Job Cen­ter von Ber­lin Mit­te.
Hier in der Sickin­gen­stra­ße war der Fir­men­sitz von 1952 bis 1960.
Einen and­ren „Tele­fun­ken“- Bau fin­den sie am U‑Bahnhof Oslo­er Stra­ße. Hier blickt man auf ein rotes Back­stein­haus. Es gehört heu­te einer Immo­bi­li­en­fir­ma die dort Büros und Geschäfts­räu­me ver­mie­te. GSG steht in drei gro­ßen Buch­sta­ben an dem Gebäu­de und das war einst eine wei­te­re Pro­duk­ti­ons­stät­te der Fir­ma „Tele­fun­ken“.
Die Spu­ren die „Tele­fun­ken“ in Ber­lin hin­ter­las­sen hat, sind viel­fäl­tig und je mehr ich such­te, um so mehr fand ich. So auch das die Fir­ma einst 20000 Paten­te beses­sen hat­te. Sie ent­wi­ckel­te die ers­te Fern­seh­ka­me­ra, ein Rie­sen­ding, die erst­mal 1936 bei Olym­pia ein­ge­setzt wur­de und noch inter­es­san­ter war, dass 1939 „Tele­fun­ken“ kurz davor stand den ers­ten Fern­se­her für Jeder­mann zu pro­du­zie­ren. Doch dann brach der 2. Welt­krieg aus und die Pro­duk­ti­on lief nie an.
Also wenn Sie mal eine rich­tig gro­ße Tour durch Ber­lin machen wol­len, dann bege­ben sie sich ein­fach auf die Spu­ren von „Tele­fun­ken“, da ler­nen sie die Stadt Ber­lin mal von einer ande­ren Sei­te ken­nen.