Der Ber­lin Fla­neur: Fünf mal umbe­nannt mit vier Namen — Der „Ost­bahn­hof“

Ein­gang zum Ost­bahn­hof

 
Es ist wie­der Urlaubs­zeit.
Vie­le wer­den auch in die­sem Jahr vom „Ost­bahn­hof“ in den Urlaub star­ten. Weni­ge der Rei­sen­de dürf­ten wis­sen, wel­che inter­es­san­te Geschich­te die­ser Bahn­hof hat.
Ich ver­bin­de mit dem „Ost­bahn­hof“ vie­le Kind­heits­er­in­ne­run­gen. Von hier aus fuhr ich ins Feri­en­la­ger oder mit mei­nen Eltern in den Urlaub. Hier arbei­te­te mei­ne Groß­mutter bei der Reichs­bahn in der Fahr­kar­ten­aus­ga­be.
Immer wenn ich am „Ost­bahn­hof“ aus­stei­ge, schaue ich mich um.
Zu DDR-Zei­ten war er einer der wich­tigs­ten Bahn­hö­fe in Ost­ber­lin.
Und auch heu­te zählt der „Ost­bahn­hof“ mit 100.000 Fahr­gäs­ten am Tag, zu einem der meist fre­quen­tier­ten Bahn­hö­fe Deutsch­lands.
Ich habe kei­ne Ahnung wie die Zahl zustan­de kommt, aber sicher­lich wer­den da auch die S-Bahn-Nut­zer hin­zu­ge­zählt, die jeden Tag über den Bahn­hof fah­ren.
Begon­nen hat die Geschich­te des „Ost­bahn­hofs“ 1842.
Da wur­de er als Kopf­bahn­hof eröff­ne­te und hieß “Frank­fur­ter Bahn­hof”.  Als die Ber­li­ner Stadt­bahn gebaut wur­de, errich­te­te man einen neu­en Bahn­hof, der nun ein Durch­gangs­bahn­hof war.  Von 1881 bis 1950 hieß er dann “Schle­si­scher Bahn­hof”.  Da von hier­aus die meis­ten Züge Rich­tung Ost- und Süd­ost­eu­ro­pa (Ost­preus­sen, Schle­si­en und Ruß­land) abfuh­ren oder anka­men.
Ein Kurio­sum in der Geschich­te des Bahn­hof war, dass man von hier aus 1927 zu einer 12 tägi­gen Rei­se per Bahn nach Tokio auf­bre­chen konn­te. Das Fahr­kar­ten­heft kos­te­te  650 Reichs­mark, was heu­te etwa 2500 Euro sind. 
1950 wur­de der Bahn­hof erneut umbe­nannt.
Bis 1987 hieß er  “Ost­bahn­hof”.
Dann durf­te er sich 1319 Tage „Ber­lin-Haupt­bahn­hof“ nen­nen. Danach bekam er sei­nen alten Namen „Ost­bahn­hof“ zurück.
Mit­te der Acht­zi­ger Jah­re sanier­te die DDR-Regie­rung den Bahn­hof. Er wur­de einer der moderns­ten des Lan­des.
Die alte dunk­le Vor­hal­le, die ich als Kind kann­te, wich einer hel­len und freund­li­chen Emp­fangs­hal­le.
Nach der Wen­de ist das Gebäu­de des „Ost­bahn­hofs“ erneut um- und aus­ge­baut wor­den. Es kam ein Hotel hin­zu, zwei Büro­tür­me und jede Men­ge Geschäf­te.
Draus­sen auf dem Bahn­hofs­vor­platz fah­ren vom Bus­bahn­hof Fern­rei­se­bus­se ab.
Heu­te ist der „Ost­bahn­hof“ Regio­nal-, Fern- und S-Bahn­hof in einem und mit 9 Bahn­glei­sen aus­ge­stat­tet. Vier für die S-Bahn und fünf Glei­se für den Fern- und Regio­nal­ver­kehr.
Ver­än­de­run­gen gehö­ren zur Geschich­te des Bahn­hofs.
Einst lag er in einer der ärms­ten und kri­mi­nells­ten Gegen­den von Ber­lin, die auch „Klein-Chi­ca­go” genannt wur­de. Spä­ter, zu DDR-Zei­ten, war er ein belieb­ter Anlauf­punkt für in-und aus­län­di­sche Ber­lin-Besu­cher. Denn hier gab es einen der moderns­ten Kon­sum­tem­pel der DDR, das „Cen­trum-Waren­haus am Ost­bahn­hof“, dass nach der Wen­de zum „Gal­le­ria am Ost­bahn­hof“ wur­de. Das Waren­haus ist seit Juli 2017 auch Geschich­te. Es schließt sei­ne Pfor­ten, weil es nicht genü­gend Kun­den gibt.
Ob Euro­pas höchst­ge­le­ge­ne Bow­ling­bahn im Haus wei­ter bestehen bleibt, weiß ich nicht. 
Der „Ost­bahn­hof“ ist heu­te bei Tou­ris­ten sehr beliebt. Von hier aus kom­men sie schnell zu einer der inter­es­san­tes­ten Sehens­wür­dig­kei­ten von Ber­lin, der „East-Side-Gal­le­ry“.
Auch am spä­ten Abend ist es rund um den Bahn­hof nicht ruhig. Hier tref­fen sich vor allen sehr vie­le  jun­ge Leu­te. Sie machen sich von hier aus auf den Weg zu einer der ange­sag­ten Par­ty­lo­ca­ti­ons, die es in der unmit­tel­ba­rer Umge­bung des Bahn­hof gibt.
Und auch für Trö­del­markt­fans, wie ich es einer bin, ist der Ost­bahn­hof am Wochen­en­de ein regel­mä­ßi­ger Anzie­hungs­punkt. Auf der Rück­sei­te des Bahn­hofs­ge­bäu­des fin­det einer der belieb­ten Trö­del­märk­te von Ber­lin statt. Den ver­las­se ich sel­ten mit lee­ren Hän­de, da ich hier immer was fin­de, dass irgend­wo in einer Ecke mei­ner Woh­nung spä­ter zu einem Staub­fän­ger wird.

Info­kas­ten:
Ber­lin Ost­bahn­hof
Kop­pen­str. 3
10243 Ber­lin

Ver­kehrs­an­bin­dung:
Sta­ti­on Ost­bahn­hof
S-Bahn: 
S5, S7, S75
Bus: 
140, 142, 147, 240, 248, 347, N40
Der Bahn­hof ist bar­rie­re­frei.

Geöff­net:
24 h und 365 Tage

behin­der­ten gerech­te Park­plät­ze vor­han­den.

Öff­nungs­zei­ten des Rei­se­zen­trums im Bahn­hof:
Mo-Fr: 8.00–20.00 Uhr
Sa + So: 09:00–18.30 Uhr
Öff­nungs­zei­ten der Gas­tro­no­mi­schen Ein­rich­tun­gen und Geschäf­te unter­schied­lich.

Inter­net­auf­tritt:
Deut­sche Bun­des­bahn für Ost­bahn­hof:
http://www.bahnhof.de/bahnhof-de/Berlin_Ostbahnhof.html

Info­sei­te zu „Ein­kaufs­bahn­hof“:
https://www.einkaufsbahnhof.de/berlin-ostbahnhof

Der Ber­lin Fla­neur: Spät­abends auf dem Kur­fürs­ten­damm

Blick über den abend­li­chen Breit­scheid­platz — links Kur­fürs­ten­damm, Mit­te Gedächt­nis­kir­che, Rechts Biki­ni­haus — auf­ge­nom­men 18. April 2018

Letz­tens war ich von einem Freund zum Essen ins „Mar­jell­chen“ in der Momm­sen­stra­ße ein­ge­la­den wor­den. Nach­dem wir dort ein mehr als reich­li­ches Menü genos­sen hat­ten, war es spät am Abend. Damit das Essen „rut­schen“ konn­te, beschlos­sen wir, zu Fuß in Rich­tung Bahn­hof Zoo und dem Breit­scheid­platz zu lau­fen.
Wir gin­gen die Schlü­ter­stra­ße hin­un­ter zum Kur­fürs­ten­damm.
Ich gebe es zu, der Ku´damm, war in den letz­ten Jah­ren nicht so mein Ding. Er hat­te sei­nen Flair ver­lo­ren, wirk­te her­un­ter­ge­kom­men und es gab ande­re Stra­ßen in Ber­lin, die ich inter­es­san­ter fand.
Doch an die­sem Abend wur­de ich über­rascht. Der Kur­fürs­ten­damm hat wie­der das gewis­se Etwas. Auch mein Freund war über­rascht, dass er wie­der fun­kel­te.
Die Schau­fens­ter der Luxus­lä­den strahl­ten in der Dun­kel­heit und ver­führ­ten zum Bum­meln. Die Restau­rants sind wie­der edel und nicht immer bil­lig.
Wir gin­gen am Haus Cum­ber­land vor­bei, das einst ein Ver­wal­tungs­ge­bäu­de war, dann ein Film­schau­platz, unter ande­rem für einen „Jason Bourne Film“, und heu­te ist es ein Geschäfts­haus mit Luxus­apart­ments.
Unser Weg führ­te uns wei­ter an einer Ber­li­ner Thea­ter-Insti­tu­ti­on vor­bei, die in die­ser Form Geschich­te ist – das „Thea­ter und die Komö­die am Kur­fürs­ten­damm“.
Sie wer­den abge­ris­sen und in 2 oder 3 Jah­ren soll hier ein neu­es Thea­ter ste­hen. Ob die­ses neue Thea­ter dann dem Charme das „Alten“ hat, bleibt abzu­war­ten. Ein Stück wei­ter, an der Ecke Uhland­stra­ße und Kur­fürs­ten­damm, ist eines der bekann­tes­ten Kinos der Stadt, das von der York-Grup­pe betrie­be­ne „Cine­ma Paris“. Die­ses Kino, das seit 1950 hier behei­ma­tet ist, ist eines der letz­ten Kinos am Kur­fürs­ten­damm und die­ses Gebäu­de war 1983 Ziel eines Ter­ror­an­schlags, beim dem ein Mensch getö­tet wor­den war und 23 Per­so­nen ver­letzt wur­den.
Kinos gab es einst am Ku´damm wie Sand am Meer. Doch die meis­ten die­ser Film­pa­läs­te wur­den in den letz­ten 25 Jah­ren geschlos­sen und in Geschäf­te umge­wan­delt. Wie das Kino „Film­büh­ne Wien“, in dem sich heu­te der Flagship­sto­re von Apple befin­det. Ich ken­ne es noch aus der Zeit nach dem Mau­er­fall, als es ein „Schach­tel­ki­no“ war. Davor, in den 50-ziger Jah­ren, ist eines der wich­tigs­ten Kinos von Ber­lin gewe­sen, denn es gehör­te zu den Licht­spiel­häu­sern, in denen die „Ber­li­na­le“ gebo­ren wur­de. Und ein Onkel erzählt noch heu­te davon, wie wild es dort zuging, als dort die gro­ßen Film­stars auf­tauch­ten, wenn sie ihren Film vor­stell­ten.
Auch ein ande­res Kino am Kur­fürs­ten­damm, dass wich­tig für die Geschich­te des deut­schen Films war, ist ein Shop. Dort wo heu­te „Benet­ton“ sei­ne Beklei­dung ver­kauft, befand sich der „Glo­ria-Palast“, der 1943 zer­stört wur­de und nach dem Krieg fast an der­sel­ben Stel­le wie­der­auf­ge­baut wur­de. In die­sem Kino wur­de 1930 „Der blaue Engel“ mit Mar­le­ne Diet­rich urauf­ge­führt und noch ein Stück zum Breit­scheid­platz hin, auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te gab es den berühm­ten „Mar­mor­pa­last“ in dem ein spa­ni­sches Mode­haus sei­nen Laden hat.
Wenn Sie nun über den Breit­scheid­platz gehen, wer­den Sie sehen wie sich die Gegend ver­än­dert hat. Altes, wie das „Schim­mel­pfen­nig-Haus“, wur­de abge­ris­sen und durch Neu­es ersetzt. Mal ist es gelun­gen, mal nicht.
Und wenn Sie dann auf dem Breit­scheid­platz ste­hen und in Rich­tung Bahn­hof Zoo bli­cken, dann mer­ken sie wie schön die alte City (West) gewor­den ist.
Hier strah­len dann nicht nur der „Zoo-Palast“ und das „Biki­ni-Haus“, son­dern auch die bei­den Ber­li­ner „Mini-Wol­ken­krat­zer“, das „Uper-West“ und das „Zoo­fens­ter“, um die Wet­te. Bei die­sem Anblick stellt sich dann wie­der das alte Gefühl ein, dass der Kur­fürs­ten­damm das Herz der „City – West“ ist.
Wie einst als es hier noch jede Men­ge Kinos gab.

Info­kas­ten:

Start­punkt des Spa­zier­gangs ist der der Geor­ge-Grosz Platz an der Ecke Kur­fürs­ten­damm und Schlü­ter­stra­ße. Dann immer gera­de aus bis zum Breit­scheid­platz. Sie kön­nen die­sen Spa­zier­gang auch in umge­kehr­ter Rich­tung machen bis zum Oli­va­er Platz.

Län­ge der Stre­cke ca. 1,5 km

Anfahrt:

Oli­va­er Platz

Bus:
M19, M29, X10, 109, 110, 249, N10

zurück Rich­tung Breit­scheid­platz lau­fen.

erschie­nen in der BBZ — Ber­li­ner Behin­der­ten­zei­tung 07/08 2018

Der Ber­lin Fla­neur: Eine klei­ne „Bau­haus — Tour“ durch Ber­lin

Mies van der Rohe Haus in Hohen­schön­hau­sen

Die­ses Jahr ist reich an Jubi­lä­en und Gedenk­ta­gen.
So wird zum Bei­spiel in die­sem Jahr der 100. Jah­res­tag der Grün­dung des „Bau­hau­ses“ began­gen.
Nein, ich mei­ne nicht die Heim­wer­ker­ket­te, son­dern das „Staat­li­che Bau­haus“, eine Schu­le für Kunst und Archi­tek­tur, die 1919 von Wal­ter Gro­pi­us in Wei­mar gegrün­det wur­de. Obwohl sie nur 14 Jah­re exis­tier­te, sind ihre Ein­flüs­se bis in unse­re heu­ti­ge Zeit erkenn­bar.
Die­se Schu­le brach­te Kunst, Design, Archi­tek­tur und Hand­werk zusam­men.
Schlicht­heit und durch­dach­te Funk­ti­on stan­den beim „Bau­haus“ immer im Mit­tel­punkt.
Wenn Sie durch Ber­lin fla­nie­ren, dann fin­den Sie an vie­len Orten „Bau­haus — Archi­tek­tur“.
Ich begin­ne zwei Stra­ßen­bahn­sta­tio­nen von mei­ner Woh­nung ent­fernt. In der Ober­see­stra­ße 60 am Ober­see in Hohen­schön­hau­sen steht das „Haus Lem­ke“. Ent­wor­fen hat es einer der bekann­tes­ten Archi­tek­ten des 20. Jahr­hun­derts — Lud­wig Mies van der Rohe.
Das „Haus Lem­ke“, benannt nach dem Bau­her­ren, dem Ber­li­ner Dru­cke­rei­be­sit­zer Karl Lem­ke, der hier bis 1945 wohn­te, wird auch das „Mies van der Rohe Haus“ genannt. Es ist ganz schlicht. Flach wie ein Bun­ga­low, ohne Ver­zie­run­gen, ganz funk­tio­nell.
Gele­gen in einem gro­ßen Gar­ten mit Blick auf den „Ober­see“.
Im Haus befin­det sich lei­der kei­ne ori­gi­na­le Innen­aus­stat­tung mehr. Doch es gibt Fotos aus der Zeit als es bewohnt war und man wür­de heu­te die­se Ein­rich­tung immer noch als „modern“ bezeich­nen.
Das Haus beher­bergt heu­te eine Gale­rie für Moder­ne Kunst. Die ist Geschmack­sa­che, aber ein kur­zer Besuch lohnt sich schon wegen dem schö­nen Blick auf dem See.
Wei­ter geht es zu einem Welt­kul­tur­er­be, dass ich ihnen schon ein­mal ein­ge­hen­der vor­ge­stellt habe. Die „Huf­ei­sen­sied­lung“ in Britz. Auch die­se Sied­lung wird mit dem Bau­haus in Ver­bin­dung gebracht. Der Archi­tekt der Huf­ei­sen­sied­lung, Bru­no Taut, gehör­te, wie­der der Ber­li­ner so schön sagt, „zum Dunst­kreis“ von Wal­ter Gro­pi­us. Ihr Bau­stil nennt sich „Neue Sach­lich­keit“.
In unmit­tel­ba­rer Nacht­bar­schaft zur Sied­lung, genau­er gesagt in der Par­chi­mer Allee 80, befin­det sich ein bewohn­ba­res Muse­um — „Tau­tes Heim“.
Sie kön­nen sich hier als Feri­en­gast ein­mie­ten und woh­nen wie in den 1920 Jah­ren. Vie­le der Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de im Feri­en­haus sind Bau­haus Gegen­stän­de.
Wie die „Huf­ei­sen­sied­lung“ gehört auch unse­rer nächs­tes Ziel zum UNESCO Welt­kul­tur Erbe „Sied­lun­gen der Ber­li­ner Moder­ne“.
Es ist die „Groß­sied­lung Sie­mens­stadt“ in Char­lot­ten­burg und Span­dau. Errich­tet 1929 — 1931 für die Arbei­ter des benach­bar­ten „Sie­mens-Wer­kes“ und in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zum „Volks­park Jung­fern­hei­de“.
Das städ­te­bau­li­che Kon­zept wur­de von Hans Scharoun ent­wi­ckelt, von dem auch der Ent­wurf der „Ber­li­ner Phil­har­mo­nie“ stamm­te.
Neben Woh­nungs­bau­ten gibt es in unse­rer Stadt auch Indus­trie­bau­ten im „Bau­haus­stil“. Wie die „AEG Tur­bi­nen­hal­le“ in der Moa­bi­ter „Hut­ten­stra­ße“. Auch hier bil­den Sach­lich­keit, Funk­ti­on und Stil eine Ein­heit.
Und wenn mal wie­der Sie in der „Wil­mers­dor­fer“ sind, dann lau­fen sie doch ein­fach die „Kant­stra­ße“ Rich­tung Zoo ent­lang. Auf der rech­ten Sei­te wer­den Sie die „Kant-Gara­gen“ sehen. Die­ser unschein­ba­re, unspek­ta­ku­lä­re Bau ist auch ein „Bau­haus Denk­mal“.
Vie­le Infor­ma­tio­nen zum „Bau­haus“ hät­ten sie im Muse­um „Bau­haus-Archiv“ fin­den kön­nen, aber das wird zur Zeit umge­baut und ist zu. Laut Home­page wegen des Jubi­lä­ums. Da fragt man sich doch war­um dass gera­de jetzt gemacht wird?
Hät­te man damit nicht bis nach dem Jubi­lä­um war­ten kön­nen?
Dafür gibt es „als Ersatz“, in der „Kne­se­beck­stra­ße 1–2“ im „Haus Har­den­berg“ ein „Tem­po­rä­res Bau­haus-Archiv“.
Wenn sie mehr Lust auf „Bau­haus­ar­chi­tek­tur“ haben, dann fah­ren sie ein­fach nach Des­sau. Das ist nicht weit weg von Ber­lin. Denn Des­sau war ab 1925 das Zen­trum des „Bau­hau­ses“.
Ein­fach in den Regio­nal-Express nach Des­sau stei­gen, hin­fah­ren und durch die Stadt fla­nie­ren.

Info­kas­ten:

Haus Lem­ke — Mies van der Rohe Haus

Ober­see­str. 60

13053 Ber­lin

Tele­fon 

030 97 00 06 18

Inter­net­adres­se 

www.miesvanderrohehaus.de

Öff­nungs­zei­ten 

Diens­tag bis Sonn­tag 11 bis 17 Uhr

Ein­tritt frei

Füh­run­gen 

nach Ver­ein­ba­rung

E-Mail

info@miesvanderrohehaus.de

Nah­ver­kehr

Tram 27 

Sta­ti­on:  Am Fau­len See  — Fuß­weg ca. 300 Meter

Tau­tes Heim”

Gie­lo­wer Stra­ße, Huf­ei­sen­sied­lung

12359 Ber­lin

Inter­net­adres­se

www.tautes-heim.de

U- Bahn: U7 

Sta­ti­on:

Par­chi­mer Allee — Fuß­weg ca. 300 Meter

Tem­po­rä­re Bau­haus-Archiv / Muse­um für Gestal­tung 

Kne­se­beck­str. 1–2, 

10623 Ber­lin 

Öff­nungs­zei­ten:

Mon­tag — Sams­tag, 10–18 Uhr, 

Ein­tritt frei

U- Bahn U2

Sta­ti­on:

Ernst-Reu­ter-Platz — Fuß­weg ca. 200 Meter

Inter­net­adres­se:

www.bauhaus.de

Erschie­nen in der BBZ — Der Ber­li­ner Behin­der­ten Zei­tung 03/2019

Der Ber­lin Fla­neur: Es begann mit dem „Knall­funk“ — Auf den Spu­ren von „Tele­fun­ken“ in Ber­lin

Tele­fun­ken Pro­duk­ti­ons­stät­te am U- Bahn­hof Oslo­er Stra­ße heu­te von der GSD genutzt
auf­ge­nom­men 14. April 2019

Als ich für die Fol­gen zu den Ber­li­ner Erfin­dun­gen recher­chier­te, stieß ich auf unser heu­ti­ges The­ma. 

Ohne die Ber­li­ner Fir­ma, um die es heu­te geht, wür­den sie mich jetzt nicht hören und wir wür­den auch kei­ne Flim­mer­kis­te im unse­rem Wohn­zim­mer haben. Die Fir­ma stand einst für gute Pro­duk­te in der Unter­hal­tungs­elek­tro­nik und war vie­le Jahr­zehn­te lang das Unter­neh­men für Sen­de­an­la­ge von Radio- und Fern­seh­sen­dern. 

Außer­dem war ihr eins­ti­ge Fir­men­sitz am Ernst Reu­ter Platz eines der bekann­tes­ten Moti­ve auf Ansichts­kar­ten aus West­ber­lin. 
Gegrün­det wur­de „Tele­fun­ken“ 1903 auf Anwei­sung des Deut­schen Kai­sers Wil­helm II.
Bis 1996 exis­tier­te die Urfir­ma, die nach dem 2. Welt­krieg zum AEG Kon­zern gehör­te und vor dem 2. Welt­krieg war auch Sie­mens an ihr betei­ligt.
Heu­te gibt es wie­der eine Fir­ma mit namens „Tele­fun­ken“, die den Mythos, der alten fort­set­zen will und hoch­wer­ti­ge Unter­hal­tungs­elek­tro­nik aus Deutsch­land in Asi­en und in der Tür­kei pro­du­zie­ren lässt.
Die Geschich­te die­ser Fir­ma ist sehr kom­pli­ziert und kom­plex, des­halb las­se ich sie mal außen vor, da die Zeit nicht reicht. 
Noch ein­mal kurz in das Jahr 1903 zurück. Damals gab es schon die ers­te draht­lo­sen Über­tra­gun­gen von Nach­rich­ten. Den „Knall­funk“. 
Die­se tech­ni­sche Neue­rung fas­zi­nier­te den Kai­ser und er woll­te sie für sein Mili­tär nut­zen. Doch die bei­den Ent­wick­ler die­ses „Knall­funks“, die Fir­men der Her­ren Sie­mens und Rathe­now, AEG, waren sich nicht grün und sie strit­ten sich wie die Kes­sel­fli­cker, als es zu einer Fir­men­grün­dung kom­men soll­te. Das miss­fiel dem Pickel­hau­ben­kai­ser und er zwang die bei­den Unter­neh­men sich zu eini­gen. So ent­stand „Tele­fun­ken“. 
Im Lau­fe der nächs­ten Jahr­zehn­te mau­ser­te sich „Tele­fun­ken“ zu einer Welt­fir­ma. Und ihr Haupt­sitz war immer Ber­lin. Selbst nach dem Mau­er­bau. Auch die wich­tigs­ten Pro­duk­te der Fir­ma wur­den hier in der Stadt gebaut, die welt­be­rühm­ten Sen­de­an­la­gen und Sen­der für den Rund­funk, das Fern­se­hen und der Nach­rich­ten­kom­mu­ni­ka­ti­on.
Die­se Pro­duk­ti­ons­stät­ten kann man heu­te noch in Ber­lin fin­den. Das bekann­tes­te „Tele­fun­ken“- Gebäu­de Ber­lins steht wie gesagt am Ernst Reu­ter Platz. Es ist das Tele­fun­ken-Hoch­haus. Hier war von 1960 bis 1967 der Haupt­fir­men­sitz.
Heu­te gehört das Haus zur TU Ber­lin.
Und da habe ich gleich mal einen Tipp für sie. Wenn sie Hun­ger haben und dazu noch einen tol­len Blick über Ber­lin haben wol­len, dann fah­ren sie ganz nach Oben in die 21. Eta­ge. Dort befin­det sich die Men­sa der TU, die Cafe­te­ria „Sky“. Die ist für alle offen und man kann hier lecker Mit­tag­essen oder Früh­stü­cken und das zu klei­nen Prei­sen.
In Ame­ri­ka ist ein ganz ande­res Tele­fun­ken-Gebäu­de bekannt oder bes­ser gesagt Gebäu­de-Kom­plex. Ob die Amis aber wis­sen, dass dies einst der Fir­ma Tele­fun­ken gehör­te, dürf­te bezwei­felt wer­den. 
In Ame­ri­ka sind die ehe­ma­li­gen Tele­fun­ken Wer­ke, in Lich­ter­fel­de in der Goerz­al­lee als Haupt­quar­tier und Kaser­ne der US-Army bekannt. Unter dem Namen „McN­air Baracks“. Von 1938 bis 1945 befand sich hier der Fir­men­sitz und das Stamm­werk der Tele­fun­ken AG. Heu­te gibt es hier jede Men­ge Eigen­tums­woh­nun­gen. 
Davor befand sich der Fir­men­sitz am Hal­le­schen Ufer. Unge­fähr dort wo heu­te das HAU steht, das Heb­bel am Ufer. In ihm war auch die größ­te Schall­plat­ten­fir­ma des 3. Rei­ches unter­ge­bracht, die TELDEC, die zu Tele­fun­ken gehör­te. Die­sen Bau gibt es nicht mehr, denn im April 1945 brann­te das „Tele­fun­ken-Haus“ nach einem Bom­ben­an­griff aus und wur­de nicht mehr auf­ge­baut.
Dafür kön­nen sie ande­re Gebäu­de in Ber­lin fin­den die einst „Tele­fun­ken“ gehör­ten. Zum Bei­spiel am direkt am U-Bahn­hof Mehring­damm. Hier im Haus Num­mer 32–34 saß die Fir­men­lei­tung von 1948 bis 1952. Danach zog sie in die Sickin­gen­stra­ße nach Moa­bit, in das ehe­ma­li­ge Glüh­lam­pen­werk der OSRAM AG, die wie Tele­fun­ken eben­falls zur AEG gehör­ten. In die­sem denk­mal­ge­schütz­ten Haus befin­det sich heu­te der Job Cen­ter von Ber­lin Mit­te.
Hier in der Sickin­gen­stra­ße war der Fir­men­sitz von 1952 bis 1960.
Einen and­ren „Tele­fun­ken“- Bau fin­den sie am U-Bahn­hof Oslo­er Stra­ße. Hier blickt man auf ein rotes Back­stein­haus. Es gehört heu­te einer Immo­bi­li­en­fir­ma die dort Büros und Geschäfts­räu­me ver­mie­te. GSG steht in drei gro­ßen Buch­sta­ben an dem Gebäu­de und das war einst eine wei­te­re Pro­duk­ti­ons­stät­te der Fir­ma „Tele­fun­ken“.
Die Spu­ren die „Tele­fun­ken“ in Ber­lin hin­ter­las­sen hat, sind viel­fäl­tig und je mehr ich such­te, um so mehr fand ich. So auch das die Fir­ma einst 20000 Paten­te beses­sen hat­te. Sie ent­wi­ckel­te die ers­te Fern­seh­ka­me­ra, ein Rie­sen­ding, die erst­mal 1936 bei Olym­pia ein­ge­setzt wur­de und noch inter­es­san­ter war, dass 1939 „Tele­fun­ken“ kurz davor stand den ers­ten Fern­se­her für Jeder­mann zu pro­du­zie­ren. Doch dann brach der 2. Welt­krieg aus und die Pro­duk­ti­on lief nie an.
Also wenn Sie mal eine rich­tig gro­ße Tour durch Ber­lin machen wol­len, dann bege­ben sie sich ein­fach auf die Spu­ren von „Tele­fun­ken“, da ler­nen sie die Stadt Ber­lin mal von einer ande­ren Sei­te ken­nen.